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Hallo liebes Tagebuch,

heute habe ich mich verlaufen. Wie es dazu kam? Schnell erzählt.

Ich war unterwegs im Dorf. Eigentlich sollte ich nur kurz zum Hausboot. Die Zwillinge wollten, dass ich mir die Wegbeleuchtung ansehe, weil die im Moment wohl ständig ausfällt.

Und weil ich davor noch bei Kasi war, musste ich auf dem Weg zum Hausboot bei den Kratern vorbei. Poldi kam gerade erst aus der Jungdrachenschule, weil er nachsitzen musste. Er habe den ganzen Tag nichts gegessen und wolle mir fressen, meinte er. Ich meinte noch »Das heißt ‚dich’«, dann floh ich ins Gebüsch. Und weil Poldi so großen Hunger hatte, verfolgte er mich wie ein geölter Blitz. Ich kam vom Weg ab und rannte immer weiter und weiter, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte.

Gut, Poldi hatte ich abgehängt, doch nun war ich ganz woanders. Dort, wo ich vorher noch nie gewesen bin. Irgendwo im Nirgendwo, sozusagen. Toll – danke, Poldi!

Das wäre nicht allzu tragisch gewesen, ich hätte mich dann schon irgendwie durchgewühlt und den Weg zurück ins Dorf gefunden – doch jetzt wurde es dunkel. Und das auch noch ganz schön plötzlich. Ja, es wird Herbst und wie jedes Jahr muss ich mich erst mal wieder daran gewöhnen.

Ich tastete mich also weiter durch die Vegetation und hoffte, mich in Richtung Dorf zu bewegen. Irgendwann hörte ich links von mir eine Kirchenuhr schlagen. Das musste die aus der Hallerstraße sein. Super, dann liegt das Runddorf direkt vor mir. Also schnell weiter.

Plötzlich rief direkt hinter mir ein Käuzchen. Am Tage und bei Licht wär ich stehengeblieben und hätte es beobachtet – aber jetzt in der Dunkelheit hab ich noch nen Zahn zugelegt.

Gehetzt und völlig mit den Nerven am Ende, erreichte ich dann endlich das Dorf. Leider kam ich aber wieder direkt bei den Kratern raus. Ich konnte es nicht fassen! Schon wieder Poldi!

Der sah mich auch sofort und wollte da weitermachen, wo er aufgehört hat. Doch bevor er wieder zu seinem falschen Deutsch ansetzen konnte, knallte ich ihm meine aufgestaute Wut entgegen. »Wag es nicht, Poldi! Noch ein Wort und ich flippe aus!«

Jetzt bekam Poldi Angst und floh in seinen Kraterkeller. Ich muss ganz schön zornig gewirkt haben.

Bestens, meine Wut war ich los. Nun freute ich mich, endlich wieder im Dorf zu sein und lief direkt zum Hausboot. Die Zwillies warteten schon, waren aber zum Glück nicht böse. Die ausgefallene Wegbeleuchtung konnte ich dann auch noch reparieren. War easy – nur ein Wackelkontakt. Wenn sich doch nur alle Probleme so schnell lösen ließen.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Die frühe Dunkelheit hat auch was Gutes: Ich habe anschließend bei Mona und Lisa noch einen Kakao getrunken. Im Kerzenschein war das urgemütlich. Sp.