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Hallo liebes Tagebuch,

der Herbst ist eigentlich sehr schön: Die Blätter werden bunt und in der Sonne funkeln die Farben wie Gold. Doch einige Bewohner im Dorf haben Schwierigkeiten mit dieser Jahreszeit.

Bei Lexi ist das wie jedes Jahr. Ständig weht ihm das Laub in den offenen Pilz auf den Schreibtisch. Heute geriet ihm sogar ein Eichenblatt in die Schreibmaschine. Ganze drei Stunden klemmten die Tasten N und M. Was für andere eine willkommene Arbeitspause ist, heißt für Lexi »verlorene Zeit« und somit »Nachtschicht«.

Auch dem ordnungsliebenden Elvis macht diese Blätterfallerei ganz schön zu schaffen. Jeden Tag harkt er vor, neben und hinter dem Traumexpress. Lulu hilft ihm dabei allerdings nicht – die findet die Blätter nämlich viel zu schön zum Wegmachen.

Das bedeutet für Elvis: Doppelbelastung. Morgens Gartenarbeit, danach Dienst im Studio.

Sowas zerrt an den Kräften, das kann man sich ja vorstellen. Und was machte deshalb unser Gartenwüterich? Er kaufte sich einen Laubbläser. So nach dem Motto: Was sonst durch des Menschen Arbeitskraft wird hier durch eine Maschine geschafft. »Entlastung« nennt er das, ich nenne das »BElastung« – und zwar für die Ohren! Von der Umweltbelastung durch Stromverschwendung mal ganz abgesehen.

Der Ärger im Dorf war nun so gut wie sicher.

Und da ging es auch schon los. Die Quietschbeus probten gerade ihren neuen Hit »Im Herbst da fall’n die Blätter – der Regen macht’s auch nicht netter«, hörten aber vor lauter Laubgeblase die eigenen Instrumente nicht mehr. Sie mussten die Proben abbrechen und stiegen wütend auf ihre Höllenmaschine – die übrigens nicht weniger Lärm machte – und fuhren mit voller Power an Elvis vorbei. Es kam, wie es kommen musste: Durch den Fahrtwind wirbelte Elvis der mühsam zusammengetragene Blätterhaufen um die Ohren. Die ganze Arbeit umsonst!

Das halbe Dorf stand Kopf. Und bei wem beschweren sich wieder alle? Beim guten, alten Spencer natürlich. Und was kann der machen? Nichts! Denn mal ehrlich, liebes Tagebuch: Soll ich den Bäumen das Blätter-Fallenlassen verbieten? Oder gleich den Herbst abschaffen?

Und sowieso – wie sagt Lexi immer: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. So sagte ich ihm wie so oft: »Verschließ doch endlich deinen Pilz!« Der aber: »Pah! Was das an Zeit kostet!« Ja, aber was das an Nerven kostet – für ihn, aber auch für mich?!

Weil ich auch keinen Rat hatte, riefen wir zusammen auf der Kreuzung Galaktika. Tja, und was sagte die? Der Herbst sei nunmal der Herbst. Mit Zauberei könne sie uns auch nicht helfen, meinte aber: Wenn jeder Bewohner einmal in der Woche vor seiner eigenen Behausung das Laub harkt, würde das schon mal einige Probleme lösen. Wie heißt es doch so schön: Jeder kehre vor der eigenen Tür.

Dann flog sie wieder weg.

Eigentlich hätten wir da auch selbst draufkommen können. Klingt ja einfach – jetzt bin ich gespannt, ob das auch so einfach funktioniert.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Vielleicht findet Elvis dann ja doch noch Gefallen an den bunten Blättern, wenn er nur einmal in der Woche harken muss. Sp.