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Hallo liebes Tagebuch,

wenn die Technik versagt, ist man doch irgendwie aufgeschmissen. Das habe ich heute gemerkt.

Mein schöner weißer Studiomonitor hat verrückt gespielt. Normalerweise kann ich damit die gesamten Ereignisse im Dorf beobachten. Heute nicht. Stattdessen zeigte er mir ausschließlich Poldi, wie er für eine Matheklausur lernte. Die schreibt er morgen in der Jungdrachenschule.

So langweilig, wie sich das Ganze anhört, war es auch. Zwischendurch hielt er ein Nickerchen. Noch langweiliger!

Und weil ich natürlich wissen wollte, was in meinem Dorf so passiert, beauftragte ich Elvis damit, rumzugehen und zu schauen, was es Neues gibt. Er sollte mir dann im Studio berichten. Ich hielt dort die Stellung – irgendwo müssen ja die Fäden zusammenlaufen.

Elvis stiefelte also los. Nach ein paar Minuten kam er zurück mit einem Zwischenbericht: Lexi schrieb im Pilzhaus an einem Artikel über das Thema »Datensammlung« und war gerade bei dem Begriff »Empirie« angekommen. Wie langweilig … verstehe kein Wort!

Die zweite Tour führte zu Nepomuk. Der stand auf dem Schlossplatz und lackierte ein paar alte Stühle in Dunkelbraun. Genauso langweilig … Lackieren stinkt!

Elvis zog weiter Richtung Baumhaus. Dort schlug Kasi seine Bettdecke aus und hing sie über das Balkongeländer. Noch langweiliger … macht doch jeder!

Nächste Station: das Hausboot. Poldi konnte er auslassen, den sah ich ja bildschirmfüllend büffeln. Die Zwillinge putzten die unteren Fächer ihrer Küchenschränke aus. Laaangweilig mit langem A … diese unteren Schränke öffnet man doch eh nicht, da fallen einem ja nur die unsortierten Vorratsdosen entgegen.

Langsam wurde Elvis träge. Erschöpfung drückte ihm auf Gesicht und Beine. Doch wer rastet, der rostet – und ich verpasse dann vielleicht wichtige Ereignisse! Also hoch mit den geschwollenen Füßen und weiter zu Lulu. Die saß entspannt im Traumexpress und dachte nach. »Über eine neue Erfindung«, meinte sie, wollte aber noch nichts verraten. (Oder alternativ: Über eine neue Erfindung. Aber sie dürfe noch nichts verraten, meinte Lulu, meinte Elvis.) Aber gerade das hätte mich doch interessiert! Aber statt über die Erfindung zu erzählen hat sie wohl Elvis wieder was eingeredet. So von wegen: »Lass dich doch nicht so rumscheuchen von diesem Thyrannen« und so weiter.

Und als Elvis wieder ins Studio kam und mir berichtete, dass Lulu rumsaß und nachdachte, verrutschten mir so einige Karos an meiner Mütze.

Ich ungeduldig: »Wieso erzählst du mir nur son langweiligen Mist?!«
Er aufgestachelt: »Du wolltest das doch!«
Ich: »Ich wollte SPANNENDE Storys!«
Er: »Dann guck doch nen Krimi!«

Bumms, die Tür knallte und Elvis war weg.

Doch zum Glück kam dann Karl-Gustav durchs Studio gelaufen. Ich erzählte ihm von meinem Problem – und siehe da: Er hat mir dabei geholfen, den Monitor zu reparieren. Der schraubt ja selber ständig an seiner Soundanlage. Da sitzt die Lösung die ganze Zeit im Nebenraum, quasi zum Greifen nah, und ich weiß nichts davon.

Jetzt funktioniert wieder alles und Elvis kann beruhigt die Beine hochlegen.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Poldi beim Lernen zu beobachten hatte aber auch etwas Gutes: Das mit der Wurzelrechnung beherrsche ich jetzt perfekt. Sp.