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Hallo liebes Tagebuch,

nach dem Herbstfest in der Stadt wollten wir auch hier im Runddorf ein wenig feiern. Mit gerösteten Kastanien und Fassbrause. Das haben wir vor ein paar Jahren schon mal gemacht – wenn auch mit anfänglichen Schwierigkeiten. Dieses Mal war es nicht anders.

Jeder hatte etwas vorzubereiten. Ich war für die Lampions zuständig. Die lagen irgendwo im Studio. Ich suchte und suchte und versank fast schon wieder im Chaos, da fand ich sie endlich. Super, das war schon mal geschafft – jetzt musste ich schnell zu Kasi.

Als ich bei Lexi vorbeikam, kramte der in hohen Blättertürmen. Ihm sei das T runtergefallen. Oder besser gesagt der Band »T« seiner Lexiklopädie. Nun müsse er wieder alles ordnen: Teller vor Tunnel, Tapete hinter Tandem und Tugend ganz nach hinten. Und das alles nur, weil er »Tanz« nachschlagen wollte, um sich auf das Tanzen mit Lisa vorzubereiten.

»Aber Lexi, Tanzen lernst du nicht in der Theorie.«
»Wo denn dann?«
»Ja, beim Tanzen!«

Dann kam mir die Idee. Ich schnell zu Lulu und fragte, ob sie nicht Lexi ein paar Tanzschritte beibringen könnte. Die sagte zum Glück »Ja« und ging gleich los. Elvis gefiel das mal wieder gar nicht und rief Lulu »Aber auf dem Fest tanzt du mit mir, klar?!« hinterher. Lulu antwortete nur beiläufig mit »Jaja« – sie kennt diese Eifersüchteleien.

Gut – Lulu fertig, Lexi versorgt, weiter zu Kasi. Dem half ich kurz beim Beladen des Bollerwagens. Fassbrause, Grill und den großen Sack mit Kastanien hebt man besser zu zweit.

Die Quietschbeus schrieben derweil noch ein Lied fürs Fest:
»Den Herbst, den wolln‘ wir feiern –
mit allen aus dem Dorf.
Viel Lieder wolln‘ wir leiern – …«
Ja und da wussten sie nicht weiter. Was reimt sich auf »Dorf«? Panik brach aus, denn die Zeit drängte.

Feiern wollten wir übrigens außerhalb des Dorfes auf einer schönen Waldlichtung.

Kasi zog als erster los. Doch Mitten auf der Strecke krachte es am Bollerwagen. Zu schwer war die Last. Klarer Fall von Achsenbruch. Der Sack fiel runter, platzte auf und die Kastanien landeten im Fluss. Das Fass wurde mitgerissen und knallte gegen einen Baum.

Zum Glück kamen gerade Nepomuk und die Quietschbeus vorbei. Die trugen dann die Trümmerreste zum Festplatz.

Als ich wiederum vor Ort die Lampions aufklappen wollte, bekam ich nen Vollschock: Alles voller Löcher! Wir hatten wohl Mäuse im Studio. Eigentlich ganz süß, doch in diesem Fall eine Katastrophe!

Bei den Quietschbeus lief es auch nicht besser. Als sie ankamen war ihnen immer noch kein Reim eingefallen und jetzt konnten sie das Lied nicht singen.

Wir versuchten, es positiv zu sehen: Wir hatten ja noch die Fassbrause. Nepomuk schlug also das Fass an. Doch gleich beim ersten Hammerschlag zischte eine Riesenfontäne schäumend in die Höhe. Durch den Sturz aus dem Bollerwagen wurde die Brause wohl zu stark geschüttelt.

Muss denn wirklich alles schiefgehen? Jetzt haben wir garnix mehr. Keine Lampions, keine Maronen, kein Partylied, keine Fassbrause! Da konnte uns nur eine helfen: Galaktika.

Wir sangen und sie kam sofort – und hatte sogar für alles eine Lösung im Schlepptau: Auf »Dorf« reimt sich »Aus Blättern wird bald Torf«, zum Essen gab es mitgebrachte andromedanische Herbstaster-Kirschen und statt der Fassbrause mixte sie uns ihre Spezialität: »Galaktischen Sonnenuntergang«.

Es wurde also doch noch ein schöner Abend. Und den Bollerwagen wird Nepomuk morgen sofort reparieren.

Ich bin schon gespannt auf das nächste Fest. Jetzt allerdings freue ich mich auf mein Bett.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Galaktika als andromedanische Bardame – ein sehr ungewohntes Bild, aber anscheinend ein verstecktes Talent. Sp.