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Hallo liebes Tagebuch,

es hat mich voll erwischt. Die Nase lief, die Augen tränten – und ständig dieses Rumgeniese. Leider war das aber nicht mein größtes Problem!

Keine Ahnung, wie das gekommen ist, aber das hat sich offenbar so eingebürgert: Man selbst niest und der oder die andere blökt dann »Gesundheit!«. Eigentlich, so habe ich das gelernt, sage ich »Entschuldigung!« und die anderen sind still.

Und so ging ich durchs Dorf und nieste und nieste – und ständig hallte es von allen Seiten »Gesundheit!«. Ich kann dieses Wort nicht mehr hören! Und ich musste mich dann jedes Mal bedanken.

Ich also: Konferenzschaltung. »Leute, das ist ja schön und gut und ich weiß ja, dass ihr es nett meint, aber könnt ihr das nicht einfach lassen?« Das hat aber keiner verstanden. Kasi: »Das gehört sich doch so, Spencer.« Ja, es gehört sich vielleicht so, aber es nervt, wenn man dreimal in der Minute niesen muss!

Also unterdrückte ich ab da das Niesen und nieste ganz still und heimlich in die Armbeuge rein.

Lulu bemerkte das aber, als ich den Platz zwischen Eisenbahnwagen und Quietschbeus-Schuppen ausgemessen habe und dabei ständig stoppen musste. »Das ist furchtbar ungesund, Spencer. Du musst den Druck rauslassen, nicht unterdrücken.« Aber vorher sagte sie noch »Gesundheit!«.

Das hörte Lexi, der mit Lupe und Notizblock ausgestattet in der Nähe eine Studie über Moos machte. Dann schwafelte er los: »Da gebe ich Lulu recht: Das Niesen ist ein sogenannter ‚Polysynaptischer Fremdreflex‘, eine Schutzfunktion des Trigeminusnerves gegen Eindringlinge, die nicht unterdrückt werden sollte.«

Da bin ich ausgerastet. »Heiliges Kanonenrohr! Es ist schlimm genug, dass man sich in diesem Dorf nicht aussuchen darf, ob einem jetzt ‚Gesundheit!‘ gewünscht wird oder nicht – aber jetzt darf ich nicht einmal niesen, wie ich das will?!«

Lulu und Lexi waren erschrocken. Mit diesem Ausbruch hatten sie nicht gerechnet.

»Dann lassen wir es eben ganz«, meinten sie beleidigt. »Prima! Genau das war ja auch eben mein Vorschlag«, antwortete ich.

Mir hats gereicht – ich bin dann schnurstracks nach Hause gelaufen und habe ein heißes Bad genommen. Und siehe da, liebes Tagebuch: Seit zwei Stunden habe ich schon nicht mehr niesen müssen.

Lag es am Bad oder doch an den »Gesundheit!«-Wünschen der Leute im Dorf? Vielleicht an beidem ein wenig.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Ich hab mal ein bisschen recherchiert: Die Luft kann beim Niesen eine Geschwindigkeit von 150 km/h erreichen. Wahnsinn, was? Sp.