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Hallo liebes Tagebuch,

heute irrte ich durchs Dorf und suchte einen Platz zum Arbeiten. Wie es dazu kam? Hier eine Zusammenfassung.

Die Quietschbeus gehen ja demnächst auf große Deutschland-Tour. Deshalb proben sie gerade, was das Zeug hält. Und weil Proben nun mal mit Ausprobieren beginnen, klingt am Anfang alles immer ganz furchtbar. Ein Zumutung für die Ohren! Und das in einer Wahnsinnslautstärke! Klar, Rocker halt – leise können die nicht. »Wir sind ja keine Schnulzenbois«, so Karl-Otto. Und ich sitze direkt daneben im Studio – getrennt von einem dünnen Silbervorhang. Da hör ich ja schon jedes Husten!

Und gerade heute hatte ich wichtige Dinge zu erledigen. »Ablage« nennt Lexi das. Da brauchte ich höchste Konzentration. Doch daran war nicht mal zu denken. Ich musste also improvisieren und mein Büro verlegen. Nur wohin? Den ganzen Kram zu mir nach Hause in die Hallerstraße tragen? Viel zu umständlich. Im Dorf wird es doch sicher einen Platz geben.

Ich überlegte.
Pilzhaus: hektisches Schreibmaschinengeklapper
Schloss: monotones Bildhauergehämmer
Baumhaus: viel zu eng
Krater: hungriger Jungdrache
Traumexpress: direkt neben dem Quietschbeus-Schuppen, also auch zu laut
Bleibt nur: das Hausboot

Die Zwillinge hatten sogar nichts dagegen. Super, dachte ich und richtete mich gleich mit all meinen Unterlagen gemütlich an ihrem Küchentisch ein.

Eine ganze Weile arbeitete ich ungestört, sortierte konzentriert Dokumente, dann fing es an: Mona hackte Zwiebeln – und zwar sehr laut. Erst versuchte ich, es zu ignorieren. Doch das Gehacke hörte einfach nicht auf.

Schließlich platzte es aus mir heraus: »Probst du die Geschichte von einer, die auszog, um beim Zwiebelschneiden das Heulen zu lernen?«

»Nein« antwortete sie. Offenbar hatte sie die Anspielung nicht verstanden.

Eine Minute später ging es weiter. Diesmal in der linken Hausboot-Seite: Lisa saugte unter den Betten und knallte mit dem Sauger immer wieder an die Fußleisten. Bevor ich noch mal nen Wutausbruch bekam, schnappte ich mir meinen Laptop und verzog mich zügig nach draußen aufs Schiffsdeck.

Dort saß ich ganze drei Minuten, dann begann es zu regnen. Ich also wieder rein.

Doch was sah ich, als ich in die Küche kam: Mona hatte meine mühsam sortierten Dokumente aufeinandergestapelt. Die ganze Arbeit war also umsonst? Das kann doch nicht wahr sein!

»Ich hab schon mal den Tisch gedeckt«, sagte sie nichtsahnend. Ich biss mir auf die Lippen. Nicht aufregen, ganz ruhig, sei nicht unhöflich – dachte ich mir.

Ich atmete tief ein, ergab mich dem Schicksal und legte die Arbeit beiseite. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Stattdessen bin ich dann noch zum Essen geblieben. Die Vorbereitungen hab ich ja mitbekommen – die haben mir schon großen Appetit gemacht. Es gab Kartoffelbrei mit gedünstetem Gemüse. Köstlich! Da hat sich all der Ärger ja doch noch gelohnt.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Wie sagt Lexi immer? »Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!« Ich würde das Wörtchen »nicht« streichen – dann wäre Lexi auch entspannter. Sp.