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Hallo liebes Tagebuch,

hier bei uns im Dorf ist die Puzzlewut ausgebrochen. Nein, kein Schreibfehler – das Wort war heute Programm. Und das ging so:

Mit großer Hektik im Pilzhaus fing es an. Lexi wirbelte wie aufgescheucht durch den ganzen Pilz: von der Schreibmaschine zum Stehpult, dann schnell zum Bücherregal und wieder zurück zur Schreibmaschine. Recherchieren, notieren, schreiben, korrigieren, hin und her. Und das alles in einem Riesentempo! Lexi war völlig gestresst – aber ne Pause? Undenkbar für ihn. Doch eigentlich hatte er sie bitternötig! Ständig fiel ihm irgendwas runter. Die lose Blättersammlung hatte sich losgelöst und unseren Ringelwurm vollkommen aufgelöst.

In diesem Moment kamen die Zwillinge am Pilzhaus vorbei und sahen Lexi.

»Lexi, mach mal ne Pause!«
»Ihr seid mir witzig – ich hab noch so viiiel …«

Zack, weg war er. Jetzt lag er unter seinem Schreibtisch und wühlte dort rum.

Die Zwillies kamen zu mir ins Studio. Sie machten sich Sorgen. »Wir müssen etwas unternehmen, denn das geht nicht mehr lange gut«, sagte Mona. Recht hatte sie. »Burnout« heißt es ja heute. Wir dachten nach.

Da fiel es Lisa ein: Puzzeln! »Puzzeln ist super! Das beruhigt total«, rief sie begeistert. Mona fand das auch – ich war skeptisch, aber ein Versuch war es wert.

Die Zwillies brachten also einen Stapel Puzzles zu Lexi. Der war von der Idee natürlich nicht begeistert: »Und die Arbeit erledigt sich von alleine, oder was?!« Mit Engelszungen redeten die Zwillies auf ihn ein und konnten ihn schließlich doch überreden: »Na gut, na schön, aber am Nachmittag hab ich endlich wieder meine Ruhe«, zeterte Lexi.

Jetzt musste er sich nur noch ein Puzzle aussuchen. Lisa empfahl ihm das Ding mit 500 Teilen. Doch darüber lachte Lexi nur größenwahnsinnig. Er wählte lieber das mit 5.000.

Na, das war eigentlich nicht Sinn der Sache. Er sollte sich doch entspannen und sich nicht erneut übernehmen. Aber wir konnten nichts machen, Lexi bestand auf die 5.000.

Und so kam es, wie es kommen musste: Lexi war eben zu ehrgeizig, um gelassen zu puzzeln. Schon zu Beginn ärgerte er sich, dass er die passenden Teilchen nicht schnell genug finden konnte. Er wurde hektisch und fluchte rum. Es ging also wieder von vorne los. Und als Kasi vorbeikam, sah er einen völlig getressten Lexi. Es war eigentlich noch schlimmer als vorher. Das konnte Kasi nicht ertragen. »Brauchst du Hilfe?« fragte er. Der Verzweiflung nah und halb zusammengesunken stöhnte Lexi ein leises »Jaaa!«.

Doch schon nach ein paar Minuten meckerte Lexi rum: Kasi war ihm nicht schnell genug. Kasi hingegen – so wie Lexi auch – puzzelte zum ersten Mal. Er beobachtete Kasi, wie er Teile vom Himmel nach unten auf den Rasenbereich setzen wollte und es brach aus ihm heraus: »Wie kann man sich nur so dämlich anstellen?!« Jetzt hatte er sich endgültig nicht mehr unter Kontrolle.

Diesen Ausbruch hörte Nepomuk und eilte zum Pilz: »Wie redest du mit Kasimir? Nimm das sofort zurück oder– …«
»Oder?!« fragte Lexi übermütig.
»Oder es setzt was!«
»Was wird es denn setzen, Nepiiiiiiii?!« Lexi dachte, er könne noch einen auf frech machen – das ließ sich Nepomuk aber nicht gefallen und sah rot.

Mit einer Wahnsinnspolterei schmiss er den Tisch mitsamt angefangenem Puzzle um.

Die ganze Arbeit war hinüber!

Kasi stand mittendrin und schlug erschrocken die Hände vor sein Gesicht. Lexi sah noch röterer (Wie ist die Steigerung von »rot«, liebes Tagebuch?) und jagte beide mit wedelnden Armen und lauten »Ksch-ksch!« aus dem Pilz.

Weg waren sie und Lexi war mit all seiner geballten Wut alleine. Zornig sammelte er alle Puzzelteile vom Boden auf und brachte die Puzzels zurück zu den Zwillingen. Er polterte durch die Hausboot-Tür, knallte ihnen die Kartons auf den Küchentisch und schrie: »Hier habt ihr sie zurück! Die sind ja eh alle kaputt!« Mona und Lisa dachten erst, das sei ein Scherz (und, liebes Tagebuch, dieser Scherz war sogar richtig gut) und lachten laut, doch Lexi meinte es ernst. Das hätte fast wieder zu einer neuen Verstrickung führen können, hätte es sich nicht sofort aufgeklärt.

»Komm, wir versuchen es gemeinsam«, sagte Lisa. Lexi war erst nicht begeistert, ließ sich dann aber doch überreden – zum zweiten Mal an diesem Tag. Die Zwillies zeigten ihm nämlich ein fertiges Puzzle, das sie aufgeklebt als Bild an die Wand gehängt hatten. Und so saßen sie also gemeinsam im Hausboot und puzzelten – Lisa rechts, Mona links, Lexi in der Mitte. Und was soll ich sagen: in aller Seelenruhe und vollkommen friedlich.

Na also: Unser Lexi hat – nach ein paar Anlaufschwierigkeiten – doch noch zur Entspannung gefunden. War ja einfacher als gedacht. Und morgen treffen sie sich wieder und puzzeln weiter.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Puzzeln wär für mich ein Graus. Mir reicht schon das Chaos auf dem Schreibtisch, das ich ständig sortieren muss! Sp.