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Hallo liebes Tagebuch,

heute hatten die Zwillinge Geburtstag. Also erst die eine und dann auch die andere. Mona ist nämlich ganze zehn Minuten älter als Lisa. Und das kostet sie auch aus. Mona besteht nämlich darauf, diese paar Minuten ganz alleine Geburtstag zu haben. Die lässt sich dann immer feierlich von ihrer Schwester, die dann aber die Minuten zählt, beglückwünschen.

Schon morgens waren alle eingeladen. Zum Brunch. Brunch ist ja eine Kombi aus dem englischen »Breakfast« für »Frühstück« und »Lunch« für »Mittagessen«, hat Lexi gesagt.

Poldi hatte das aber falsch verstanden und dachte, das ist irgendwas Kompliziertes und blieb zuhause.

Auf jeden Fall kamen wir alle morgens geschniegelt und gestriegelt ins Hausboot. Jeder hatte natürlich ein Geschenk dabei.

Lulu und Elvis schenkten etwas zusammen. Zwei Haarspangen, die man zusammenstecken kann. Die Zwillies freuten sich, denn das war genau richtig für modebewusste Zwillingsdamen. Kasi brachte ein großes Glas mit eingekochem Kastanienmus mit, die Quietschbeus ein Ständchen »Erst die eine, dann die andre und dann beide«. Lexi überreichte zwei Blumensträuße – für jeden Zwilling einen. Nur war der für Lisa viel größer und Monas auch nicht so bunt. Wir kennen ja Lexis Vorliebe für Lisa, doch das kam bei Mona natürlich nicht so gut an. Lisa wollte aber auch nicht tauschen. Geschenkt sei geschenkt, meinte sie. Und schon gabs Geburtstagsrandale.

Nach dem Brunch, als schon fast alle gegangen waren, kam Nepomuk mit großer Verspätung. Er ist eben Künstler und als Künstler macht er, was er will. Und damit fing der ganze Schlamassel an. Der überreichte den Zwillies nämlich ein selbstgemaltes Bild. Genauer gesagt – ich meine, geschrieben – waren es gemalte Sonnenblumen in Öl. Lisa ist aber allergisch gegen Sonnenblumen und bekam schon vom Hingucken eine laufende Nase. Nepomuk merkte aber nichts davon und dachte, dass sie schniefen musste, weil sein Geschenk so gut ankäme.

Als Nepomuk wieder gegangen war, waren sich die Zwillies einig: Das Bild musste raus. Lisa schlug vor, es Lexi zu schenken. Der sitzt nämlich gerade an einer Studie über Blumen. Mona fand aber, verleihen sei besser, denn Geschenke verschenke man nicht weiter.

Gesagt, getan – Lexi freute sich darüber, denn er war auch gerade bei der Rubrik »Korbblütler« und dazu würden auch Sonnenblumen gehören. Doch immer ist Lexi mit seinen Gedanken bei der Schreiberei. Und so überhörte er das Wort »geliehen« und verstand »geschenkt« und hängte es auch sofort auf.

Die Zwillies waren froh: Problem gelöst – dachten sie jedenfalls und gingen nach Hause.

Doch das vorübergehend gelöste Problem war nur aufgeSCHOBEN und nicht aufgeHOBEN. Ein paar Stunden später passierte das, was einfach passieren musste: Nepomuk traf die Zwillies auf der Kreuzung, wo sie Geburtstagspicknick zu zweit machten. Irgendwie schienen die beiden heute nur zu essen … egal! Er meinte, zu seinem Geschenk gehöre natürlich auch das Anbringen an die Wand. Schließlich sei es ein schweres Ölgemälde. Heute Nachmittag wolle er mit Dübel und Schrauben vorbeikommen. Die Zwillies konnten nur »ja« sagen.

Was nun? Das Bild hing doch bei Lexi. Sie hatten gar nicht dran gedacht, dass Nepomuk auch mal vorbeikommen könnte – und schon gar nicht schon heute!

Beide also schnell zu Lexi. Der wollte das Bild aber nicht mehr hergeben. »Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen«, meinte er zickig. Ein Plan musste her. Sie mussten das Bild unbedingt zurückhaben. Koste es, was es wolle!

Und da lag es eigentlich schon auf der Hand: Lisa lenkte Lexi ab. Sie stand vor ihm und säuselte rum, dass sie noch eine wichtige Frage habe – und wo Lexi doch so schlau sei, ihr später mal helfen müsse. Mona schleppte dann in der Zeit hinter seinem Rücken das Bild raus. Das klappte gut, denn von Lisa lässt sich Lexi sehr leicht einwickeln. Dann waren beide Zwillies auch schon wieder verschwunden. Lexi bemerkte nix davon.

Irgennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnsnk – ach, liebes Tagebuch, es geht nicht mehr. Ich bin zu müüüüüüüüüüüüü

Teil zwei gibts nächste Woche.

Sp.