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Hallo liebes Tagebuch,

hier im Dorf liegen die Nerven blank. Schuld war diesmal aber jemand von außerhalb, von ganz weit oben: unsere Galaktika. Wie es dazu kam? Ach, mir brummt immer noch der Schädel.

Galaktika wollte Urlaub machen. Ja, auch eine Fee braucht mal ne Auszeit von der ständigen Helferei.

Nun hatte sie sich aber in den Kopf gesetzt, ihren Urlaub bei uns im Runddorf zu verbringen. Aber warum gerade bei uns? Hier reiht sich doch ständig Problem an Problem.

»Überlegs dir noch mal, Galy«, sagte ich.
Sie: »Wenn sich eine Fee entschieden hat, bleibt sie dabei!«

Ich musste meine Gurkentruppe erst mal zurechtweisen. Also: Konferenzschaltung. Bitte lasst Galy in Ruhe Urlaub machen und verschont sie mit euren Problemchen!

Dann war es so weit: Galaktika kam mit drei Koffern in ihrem Raumgleiter angedüst. Sie wollte auf der Kreuzung zelten. Und weil man auf Andromeda immer kopfüber auf einem Heliumkissen schläft, war ihr Zelt mehr hoch als breit. Das freute Elvis natürlich, denn so wurde die Kreuzung nicht versperrt und alles hatte seine Ordnung.

Doch als sie dann vor ihrem Zelt saß, wurde ihr schnell langweilig. Keine drei Minuten und die Entspannung wurde zur Anspannung. Also stand sie auf, um ein wenig durchs Dorf zu streifen und hoffte dabei, irgendwo helfen zu können.

Das Problem war allerdings, dass es keine Probleme gab. Noch nicht einmal ein Problemchen. Alles lief wie geschmiert, keine Panne. Doch: Wer keine Probleme hat, der sucht sich welche. Und so kann eine gute Fee mit so vielen Jahren Berufserfahrung als Problemlöserin diesen – wie würde Lexi sagen – Automatismus auch im Urlaub nicht so einfach abstellen.

Bei Kasi fing sie an. Unser Eichkater wollte gerade in seinen Fahrstuhl steigen und nach unten fahren. »Kasi, wie kann ich dir helfen?« Kasi antwortete: »Danke, aber ich muss nur schnell nach unten fahren und den Bollerwagen holen. Nepi braucht ihn.« Galys Tipp: »Dann nimm den Fahrstuhl!«

Kasi konnte nichts mit diesem belanglosen Ratschlag anfangen und dachte, er habe sich einfach nur verhört. Höflich bedankte er sich trotzdem.

Galy rauschte weiter. Nächster Halt: Poldi. Der trug gerade einen Stapel Geschirr zum Spülkrater, da wurde er schwebend überholt. »Einweichen! Du muss die vertrockneten Flecke einweichen«, rief sie Poldi zu und schwebte in nem Affenzahn weiter zum Hausboot. Poldi schaute ihr verdutzt nach: »Und was mache ich hier gerade?«

Mona und Lisa saßen auf der Reling und spielten Karten. Galy schaute ihnen von hinten unbemerkt ins Blatt. »Leg das Pik-Ass, Mona«, sagte sie laut. Doch sie spielten nicht Mau-Mau sondern etwas ganz anderes und jetzt hatte Galy das Spiel zerstört. Schön doof. Und vor allem sehr ärgerlich für Mona, denn die hätte gewonnen. Galy bekam davon aber nichts mit, denn sie war schon längst wieder weitergeschwebt.

Ihre nächsten Ziele: Traumexpress und Quietschbeuschuppen, denn auch die blieben nicht verschont. Von Modetipps über Reimratschläge – Galys Tippsortiment war scheinbar unerschöpflich.

Die Quietschbeus ärgerten sich aber nicht sondern machten daraus lieber schnell einen Song. »Wenn eine Fee mal Urlaub macht, wird sie zur Last und kostet Kraft«.

Und war sie hinten im Dorf fertig, fing sie vorne wieder an: Lexi, Kasi und so weiter.

Bloß bei Nepomuk war sie nicht. Der hat sich nämlich im Schloss verkrochen, als er gemerkt hat, was hier im Dorf los war und sich verbarrikadiert.

Das hätte ich auch machen müssen: Studiotür zu und gut. Aber nein, zu mir kam sie natürlich auch noch. Ich solle nicht so krumm sitzen, ich würde sonst Rückenprobleme kriegen. Rückenprobleme?! Seit über 30 Jahren sitze ich hier auf meinem blauen Drehstuhl. Der ist doch perfekt eingesessen!

Ich: »Langeweile?«
Sie: »Ihr braucht mich doch hier!«

Und überall dieser Feenstaub! Überall, wo sie steht und schwebt weht dieser Glitter durch die Luft. Das ganze Dorf ist schon vollgeglittert! Liebes Tagebuch, kannst du dir vorstellen, wie Erdbeeren mit Glitter schmecken? Oder Äpfel? Bäh!

Keiner war mehr vor ihr sicher. Überall tauchte sie auf. Und so flatterten natürlich schnell die Beschwerden zu mir ins Studio. Ich musste also mal wieder schlichten. Und so zog ich los, um mit Galy zu sprechen. Doch ich brauchte nicht weit gehen, da kam sie mir schon entgegengestürmt. Ihre Koffer im Schlepptau.

Das sei eine Zumutung, meinte sie. Ständig hätte sie überall helfen müssen. Und weil sie keine Erholung bekäme, würde sie jetzt wieder abreisen.

Ich wollte das noch klarstellen, da knallte sie schon die Tür ihres Raumgleiters hinter sich zu und schwebte weg. Naja, dann erklär ich ihr das bei ihrem nächsten Besuch. Dann, wenn wir wirklich wieder ihre Hilfe brauchen – und das kann sich ja nur noch um Stunden handeln.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Urlaub könnt ich auch dringend mal wieder gebrauchen. Einsame Insel oder so – aber da nehm ich dich natürlich mit. Sp.