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Hallo liebes Tagebuch,

heute ist Lexi mal wieder ausgerastet. Man hats nicht leicht, so als Dorfchef, aber leicht hats einen – deshalb: Hier ein Schnellreport!

Unser Bücherwurm lebt ja bekanntlich in einem Pilz, quasi offene Bauweise. Damit ist er natürlich Wind und Wetter ausgesetzt. Und obwohl ich ihm schon hundert Mal gesagt habe: »Mach etwas dagegen«, verkriecht er sich lieber hinter seinen Büchern.

Dabei – und ich bin nun nicht derjenige, der sich mit allem so gut auskennt wie er – Papier ist doch, wie sagt Lexi immer so schön: »hygroskopisch«, heißt, es nimmt die Feuchtigkeit aus der Luft auf. Tja, das ist doch Gift für seine Lexiklopädie, für tausende Seiten Papier!

Lexi darauf: »regnets?!«
Nee!

Und was passiert? Windiges Wetter war ja angesagt, aber dann kommt so ein richtiger Windstoß und fegt durch Lexis Pilz. Tja – und was soll ich sagen? Alles was nicht gebunden, geheftet oder beschwert war, fliegt erst durch den Pilz und dann raus, quer durchs Dorf.

Ich habe alles, was Beine hat, anvisophoniert und sie sind auch gekommen und haben geholfen. Aber wie? Leute – ich meine, liebes Tagebuch – das hatte schon seine ganz eigene Variante von Hilfe.

Wir sollten die Zettel alphabetisch ordnen, hat Lexi gesagt. Haben wir auch gemacht – ich meine, haben wir auch angefangen. Aber dann findet Mona, dass es doch »Mona-Lisa« heißt, also erst Mona drankäme. Und nicht Lisa – aber wir wissen ja: »L, M, N« heißt die Reihenfolge im Alphabet!

Mona also eingeschnappt.

Lisa ihrerseits findet das total gerecht, so ein Alphabet sei eben demokratisch – sonst würde immer Mona zuerst genannt. Und im Alphabet sei es eben, aus Gründen der Gerechtigkeit, sie, die einmal zuerst vor Mona drankäme.

Nepomuk fand, dass Künstler immer zu kurz kämen. Und er, hinter der frechen Mona – das ginge gar nicht! Er müsse davor seinen Platz haben. Das habe ich ihm aber ausreden können, so von wegen »als Künstler willst du dich doch nicht zwischen die Zwillinge stellen. Und überhaupt, du brauchst doch deine Ruhe für deine Kreativität«. Da hat er »Jaa« gesagt, mit einem langen Aaa und ist gegangen. Bumms, war sein Schlosstor hinter ihm zugefallen. Schönes Eigentor für mich!

Poldi geht bekanntlich in die Jungdrachenschule und lesen ist nicht so sein Ding – fressen schon eher. Also war ihm mein »Du kommst nach den Zwillingen und Nepomuk, aber vor den Quietschbeus« ziemlich schnuppe. Die Zettel mit »P« wie »Poldi« oder »Porzellan«, »Polizei«, »Protest« und »Pfahlwurzeln« hat er einfach aufgefressen. Lexi hat das mächtig aufgeregt. »P« müsse er dann wieder neu schreiben. Daraufhin hat Poldi ihm angedroht mit »Huaaa, ich will dir fressen«. Sogleich gabs wieder die gleiche Diskussion wie immer: Das heißt »dich«“. Darauf Poldi: »Was? Du? Mich?« und dann bin ich dazwischengegangen und habe Poldi gemeinsam mit Lulu dazu verknackt, die geordneten Zettel schön zu stapeln. Aber Poldi hat Bauchschmerzen bekommen. Die bekäme er immer von Pfahlwurzeln, die seien so schwer verdaulich. Konnte ich ihn nur nach Hause schicken – zur Kraterkur.

Die Quietschbeus waren relativ friedlich und haben sofort mit dem Text für ein neues Lied begonnen. Aber weil sie keinen zweiten Alphabet-Song mehr machen wollten, hieß der dann »Jedes Ding hat einen Namen«. Mal sehen, was daraus wird – denn als alles fertig war, und Lulu einen Zettelturm von 80 Zentimetern Höhe gestapelt hatte, kam ihr Elvis mit irgend so einer neuen Kakteen-Art und hat den Turm umgeschmissen.

Daraufhin ging das Spielchen wieder von vorne los. Woraufhin die Quietschbeus, die sind ja manchmal so flexibel, ihr Lied umgetextet haben auf »Katastrophe« und »Chaos«.

Was reimt sich auf »Chaos«?

Egal, am Abend bin ich völlig erschöpft in die Kiste gefallen – in unserem Dorf kann es bisweilen anstrengend sein.

Danke, dass du mir zugehört hast – liebes Tagebuch mit den Eselsohren –
dein Spencer

PS: Jetzt frag ich mich doch tatsächlich, ob du überhaupt zuhören kannst – mal so gefragt? Sp.